Welche Gebirgstypen gibt es? (2)

Die Alpen. Foto: berggeist007  / pixelio.de

Die Alpen. Foto: berggeist007 / pixelio.de

Geologisch-tektonische Gebirgstypen

Gebirge kön­nen in plat­ten­tek­tonis­cher Hin­sicht bei Kol­li­sionsvorgän­gen oder diver­gen­ten Bewe­gun­gen unter­schiedlicher Lithos­phären­plat­ten an deren Rän­dern, oder über hot spots auch im Innern von Lithos­phären­plat­ten entste­hen (s. Vor­satz). Alte Gebirge aus früheren Gebirgs­bil­dungsphasen (s. oben) liegen meist im Innern der Kon­ti­nente und weisen in der Regel auf ehe­ma­lige Plat­ten­rän­der hin (z. B. Ural).

Gebirge kon­vergieren­der Plattenränder

Kol­li­sion ozeanis­cher und kon­ti­nen­taler Plat­ten (Subduktion)

Beim Aufeinan­dertr­e­f­fen ozeanis­cher und kon­ti­nen­taler Lithos­phären­plat­ten taucht in der Regel die spez­i­fisch schw­erere ozeanis­che Platte unter die spez­i­fisch leichtere kon­ti­nen­tale Platte ab. Dabei bildet sich ein­er­seits eine tiefe Meer­essenke in der Sub­duk­tion­szone aus, ander­seits wird der Rand der kon­ti­nen­talen Platte ges­taucht und gefal­tet. Das Nebeneinan­der von Tief­seerinne und Gebirge führt teil­weise — wie am Beispiel der zen­tralen Anden Chiles — auf geringer hor­i­zon­taler Ent­fer­nung von eini­gen 100 km zu Ver­tikaler­streck­un­gen von mehr als 15 km zwis­chen höch­stem und tief­stem Punkt (Tief­seerinne: bis –9000 m, Anden: 6700 m). An Sub­duk­tion­szo­nen ist die vulka­nis­che Aktiv­ität sehr hoch. Wegen der sauren Schmelzen und ihrem hohen Gas­ge­halt dominiert explo­siver Vulka­nis­mus (Stra­tovulkane). Neben Vulka­nis­mus sind häu­fige Erd­beben charak­ter­is­tisch für diesen Gebirgstyp. Beispiele sind die Anden oder das Kaskadenge­birge in den USA (Mt. St. Helens).

Kol­li­sion von kon­ti­nen­talen Platten

Bei der Kol­li­sion von kon­ti­nen­talen Plat­ten kommt es zu starken Deformierun­gen. Wegen der großen Gesamt­mächtigkeit und der gerin­gen Dichte der kon­ti­nen­talen Gesteine im Ver­gle­ich zum Erd­man­tel findet hier­bei keine Sub­duk­tion statt. Entsprechend fehlt auch rezen­ter Vulka­nis­mus. Die bei der Kol­li­sion auftre­tenden Kräfte führen an der Kol­li­sion­snaht zu einer Verdick­ung der Kon­ti­nen­tal­rän­der und zur Her­aushe­bung einer Gebirgs­kette. Damit ver­bun­den sind häu­fig große Deck­enüber­schiebun­gen. Als Folge der starken Krusten­verdick­ung finden bis heute vielfach iso­sta­tis­che Aus­gle­ichs­be­we­gun­gen mit Her­aushe­bung statt. Typ­is­che Beispiele sind die Alpen, der Hohe Atlas, der Balkan, der Kauka­sus und der Himalaya, aus älteren Peri­o­den der Erdgeschichte z. B. der Ural oder die Appalachen. Häu­fig ging bei diesem Gebirgsty­pus der Kol­li­sion der kon­ti­nen­talen Plat­ten ein Sta­dium der Sub­duk­tion mit den dafür typ­is­chen Prozessen voraus. Die Gebirge von den Alpen bis hin zum Himalaya sind durch solche Kol­li­sio­nen ent­standen (Alpen: Afrika gegen Eurasien; Himalaya: Indien gegen Eurasien). Sie gehören zeitlich zur alpidis­chen Ära. Beim Ural und den Appalachen erfol­gten diese Prozesse bere­its im Paläo­zoikum während der variskischen Oro­ge­nese. Da bei den jun­gen Gebir­gen der Zusam­men­schub noch andauert und wegen der iso­sta­tis­chen Aus­gle­ichs­be­we­gun­gen, geht die Her­aushe­bung weiter, mit rund 1 bis 2 mm/Jahr in den Alpen und mit 2 bis 5 cm/Jahr im Hochland von Tibet. Im Himalaya treten auf­grund der starken jun­gen Her­aushe­bung die höch­sten Berge der Erde auf (Mt. Ever­est: 8848 m).

Kol­li­sion von ozeanis­chen Platten

Bei der Kol­li­sion ozeanis­cher Plat­ten wird eine der bei­den Plat­ten in den Erd­man­tel gedrückt, wobei sie in Tiefen von 50 bis 100 km aufzuschmelzen beginnt. Der Auf­stieg der Schmelzen führt am Meeres­bo­den zur Bil­dung einer bogen­för­mi­gen Kette von Vulka­nen und schließlich zu Vulka­nin­seln, einem so genan­nten Insel­bo­gen mit Vulka­nen. Dieses Sta­dium ist häu­fig als Früh­sta­dium in vie­len Gebir­gen vorhan­den. Typ­isch sind basis­che bis inter­mediäre Gesteine, wie Basalte und Andesite. Bekan­nte Beispiele liegen im W-Pazifik im so genan­nten “Feuer­ring” (Japanis­cher Insel­bo­gen, Philip­pinen, Indone­sis­cher Archipel, Alëuten, Mar­i­a­nen), der seinen Namen durch die Häu­fung aktiver Vulkane erhal­ten hat. Hier treten rund 60 % der aktiven Vulkane der Erde auf. Als Begleit­er­schei­n­ung sind starke Erd­beben und ihre Fol­geer­schei­n­un­gen (z. B. Bergstürze) charakteristisch.

Quelle und Buchempfehlun­gen zum Thema aus dem Ulmer Ver­lag

Gebirge der Erde. Land­schaft, Klima, Pflanzen­welt. Con­radin A. Burga, Frank Klöt­zli. 2004. 504 S., 15 Tabellen, 296 Farb­fo­tos, 87 Zeichn., 146 Kli­ma­di­a­gramme, geb. ISBN 978–3-8001–4165-4. € 29,90

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